Straßennamen in Kisdorf

Woher kommen sie? Natürlich verstehen sich viele Namen der Straßen von selbst: Da sind einmal die Straßen, die zu den Nachbarorten führen und deren Namen tragen, wie Henstedter, Kaltenkirchener, Segeberger, Ulzburger oder Winsener Straße. Auch der Name Dorfstraße erklärt sich von selbst, ebenso wie Birkenweg oder Eichengrund, Alter Schulweg, Am Sandberg und Am Sportplatz.

Es ist auch bekannt, daß die Straßen in den Siedlungsgebieten der Nachkriegszeit Namen der Heimat der Vertriebenen, wie Pommern, Westpreußen oder Ostpreußen, bekamen. Darüber hinaus tragen einige der Kisdorfer Straßen die Namen von Partnergemeinden, wie Bardseyring und Vojensring.
Wie überall gibt es auch hier einige Straßen bekannter Personen der Geschichte, auch der örtlichen. So geht der Name des J.-F.-Andersen-Weges auf den Begründer der ehemaligen Kisdorfer Mühle zurück.

Etliche Straßennamen sind für den Außenstehenden jedoch unverständlich. Es sind zum einen alte niederdeutsche Wegbezeichnungen, andere gehen auf historische Flurnamen zurück oder sind aus Ereignissen der Dorfgeschichte abgeleitet. Der Redder ist ein Weg zwischen beidseitigen Knicks, der Grootredder demnach ein großer oder breiter Weg, der einmal von Knicks eingefaßt war.

Bei einer "Loh" handelt es sich um eine Waldlichtung. Der Karklohweg erinnert also an einen im Wald gerodeten Platz, auf dem wohl einmal eine Kirche gebaut werden sollte (die dann aber in Kaltenkirchen entstand).

Mühlenredder
Mühlenredder
Mit Feuer zu tun hat der Name der Kisdorfer Hauptstraße Sengel. Kisdorf hat in seiner Geschichte mehrere Großbrände erlebt, zuletzt im Jahre 1859, als auch der Ahrens'sche Hof, das zukünftige Dorfhaus, abbrannte oder eben "absengelte".

Schon im Dreißigjährigen Krieg mußte Kisdorf schwer leiden. Es wurde zum größten Teil eingeäschert. An diese schlimmen Ereignisse erinnert möglicher-weise der Straßennahme Strietkamp, es war vielleicht die Gegend, in der im März 1644 erfolgreich gegen die Schweden gekämpft - gestritten - wurde, also ein Schlachtfeld. Eine andere Deutung klingt mindestens ebenso plausibel: es handelt sich um eine Fläche, deren Nutzung im 17./18. Jahrhundert über 100 Jahre lang zwischen Kisdorf und seinen beiden Nachbargemeinden Ulzburg und Kaltenkirchen umstritten war (so Ulrich Brämer, der ehemalige Rektor der Kisdorfer Schule).

Der Straßenname Etzberg dürfte nach Ulrich Brämer "Eichenberg" bedeuten, wobei "Etz" oder "Eez" eine Abwandlung des germanischen "Ek" oder "Eek" ist.
Was bedeutet wohl Rugenvier? Roggen mit der Zahl 4, wie paßt das zusammen? Nein, "rug" ist rauh und "vier" oder "viert" bedeutet Wildnis oder unfruchtbares Land. Der Straßenname und die gleichnamige Flurbezeichnung sind wohl mit "Rauhe Gegend" oder "Unland" richtig übersetzt.

Neben der Landwirtschaft waren seit etwa 1460 die Köhlerei und die Glasmacherei wichtige Erwerbszweige der Kisdorfer. Darauf nehmen die Straßennamen Köhlertwiete, Meilerweg und Glashüttenweg Bezug.

An das Kohlebrennen erinnern im Kisdorfer Wohld die Straßen mit der Endung "brann", wie Dierksbrann. So sind mit einigem Nachdenken und mit Hilfe älterer Wörterbücher und Flurkarten die meisten Straßennamen in unserer Gemeinde erklärbar.

Die Bedeutung von Spuntkissen war selbst dem Kisdorfer Heimatforscher Ernst Kröger noch unbekannt. Jetzt scheint sie geklärt: nach Ulrich Brämer (Geschichte und Geschichten vom Kisdorfer-Wohld, 2001) dürfte es sich dabei um die Bezeichnung für eine schmale Ackerparzelle handeln. Der Wortbestandteil "Spunt" könnte eine altes Längenmaß (ca. 2 m) oder (Spint) ein altes schleswig-holsteinisches Flächenmaß sein.