Besuch beim VHS-Deutsch-Kurs für Geflüchtete und bei Pastorin Ellger in der Friedenskirche Kisdorf

 

 Es war mir ein besonderes Bedürfnis, die Damen, die seit vier Wochen hier in Kisdorf – über die VHS Henstedt-Ulzburg – Deutsch lernen, zu besuchen und zu erfahren, wie es ihnen geht. Pastorin Ellger begleitete mich bei diesem Besuch, hat sie doch die Möglichkeit geschaffen, den Kurs im Raum der Kirche durchführen zu können.

Zunächst nahm ich auf dem Kirchengelände Stimmen von Kindern wahr. Sichtlich entspannt saßen die Kinder, an einen Baum gelehnt oder auf einer Decke und aßen dort ihr Frühstücksbrot. Die Mütter lernten währenddessen im Unterricht.

13 Damen aus der Ukraine, aus Syrien und aus Nigeria waren an diesem Tag im Raum der Kirche gerade mitten in einer Schulstunde. Ich war mehr als überrascht, als mir einige der Damen in gutem Deutsch berichteten, wo sie herkamen, wo sie jetzt wohnen und welchen Beruf sie vor ihrer Flucht ausgeübt haben. Sie erzählten mir, dass sie bereits einige kleine Reisen in den letzten Wochen unternommen haben.

Der größte Wunsch aller ist es, eine eigene Wohnung zu finden. Auch wenn sie zunächst ein Dach über dem Kopf haben und „versorgt“ sind, ist der Wunsch nach eigenen vier Wänden groß und sicher verständlich. Die Frauen möchten so schnell wie möglich arbeiten – dazu benötigen sie eine Struktur für sich und die Kinder – sie sind gut ausgebildet und es ist ihnen wichtig, ihr Leben schnell wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Ich erläuterte die angespannte Wohnraum-Situation und habe auch auf dieser Seite im Namen des Amtes Kisdorf um Mitteilung gebeten, falls Bürger Wohnraum vermieten können.

Danach nahm ich mir Zeit, mit unserer Pastorin Christiane Ellger, die seit dem Jahr 2000 in Kisdorf ist, ein Gespräch zu führen. Sie erzählte mir, wie gern sie in Kisdorf tätig sei. Ihre seelsorgerische Tätigkeit macht sie sehr gerne und sie hatte zuvor auch den Geflüchteten im Gespräch ihre Hilfe angeboten. Sie berichtete von den Aktivitäten, die mit den Jugendlichen veranstaltet werden. Ein Blick auf die Website der Kirche gibt eine gute Übersicht, was die Friedenskirche anbietet. Die Frauengruppe ist nach wie vor gut angenommen und auch hier sind diverse Möglichkeiten geboten, sich zu beteiligen oder dabei zu sein.

Mit Stolz erzählte Frau Ellger, dass der Waldgottesdienst am letzten Sonntag im Winsener Wald mit 120 Gästen sehr gut besucht war. Mit Taufen und Verabschiedung der Konfi-Kids ist dieser Sommer-Gottesdienst immer etwas Besonderes.

Leider ist die Zahl der Ehrenamtlichen, die sich engagieren, rückläufig, nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie. Es wäre wünschenswert, wenn sich in der Zukunft wieder mehr Menschen für das Ehrenamt entscheiden, damit gesellschaftlicher Zusammenhalt in den unterschiedlichsten Bereichen gefördert und gelebt wird.

Frau Ellger schloss auf meine Frage: „Was kann die Gemeinde für Sie tun, haben Sie Wünsche?“  mit dem Satz – „Wann immer wir Hilfe in Kisdorf gebraucht haben, habe ich stets Hilfe von der Gemeinde bekommen und auch Unterstützung gegeben, wann immer diese benötigt wurde und wird“. Danke, liebe Frau Ellger, für diesen schönen Schlusssatz.

Ein besonderer Tag mit Begegnungen, die mich nachdenklich gemacht haben und die mir auch zeigen, wie wichtig und wertvoll das gesellschaftliche Zusammenspiel aller Bürger*innen in Kisdorf ist.

Ihr Bürgermeister
Wolfgang Stolze

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